Vier Jahrzehnte engagierter Einsatz für den Atomausstieg, den Ausbau erneuerbarer Energien und für eine nachhaltige Zukunft im Saarland: Am 12. September 2026 hat der Verein Energiewende Saarland e.V. sein 40-jähriges Jubiläum mit zahlreichen Mitgliedern sowie Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gefeiert.

Die Jubiläumsveranstaltung begann mit einer Exkursion zum Bürger-Solarpark Saarlouis-Roden. Geführt wurde die Besichtigung von Karl-Werner Götzinger, Bürgerenergiegenossenschaft BEG Köllertal, der den Teilnehmenden die konkrete Umsetzung regionaler Solarprojekte erläuterte. Co-Vereinssprecher Peter Wünsch betonte vor Ort: „Der Solarpark zeigt eindrucksvoll, was Genossenschaften und Bürgerenergie bewegen können. Die Bedinungungen für erneuerbare Stromerzeugung müssen durch den intelligenten Ausbau der Netze und den Einsatz von Speicherkapaziäten verbessert werden.“

Exkursion Bürger-Solarpark Saarlouis-Roden. Foto: Thomas Nägler

Im Anschluss fand im historischen Hofhaus in Saarlouis die Jubiläumsfeier statt. Ein emotionaler Höhepunkt des Nachmittags war der Videogruß aus dem Gründungsvorstand von Ute Kunsmann, die die Anfänge des Vereins in den 1980er-Jahren Revue passieren ließ und den heutigen Aktiven ihren Dank für die Kontinuität der Arbeit aussprach. Winfried Anslinger, Co-Vereinssprecher, nahm danach die Gäste mit auf eine lebendige, bebilderte Zeitreise durch 40 Jahre Vereinsgeschichte. Er spannte den Bogen von den ersten Diskussionen der Gründerzeit bis hin zu den heutigen Großprojekten.

Zeitreise mit Winfried Anslinger durch 40 Jahre Vereinsgeschichte. Foto: Thomas Nägler

Politische Impulse und ganzheitliche Ansätze

Elena Yorgova-Ramanauskas, Staatssekretärin für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie, überbrachte die Glückwünsche der saarländischen Landesregierung und bedankte sich für die Einladung und das jahrzehntelange, unermüdliche Engagement des Vereins. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Vielschichtigkeit der anstehenden Aufgaben: „Energiewende umfasst weit mehr als nur Strom. Sie betrifft zentral auch die Bereiche Wärme und die Transformation unserer Industrie – wie etwa den saarländischen Stahl, der ein unverzichtbarer Grundstoff für unsere Wirtschaft bleibt.“ Der gesetzliche Rahmen sei nun gesetzt, jetzt gehe es an die konsequente Umsetzung. Die Staatssekretärin lud den Verein dazu ein, sich aktiv an der neuen Info- und Beratungskampagne „Energieberatung Saar“ zu beteiligen.

Die Energiewende-Pionierin Dr. Simone Peter, die den Verein von 2000 bis 2009 als Vereinssprecherin maßgeblich geprägt hat, erinnerte in ihrer Jubiläumsrede an die Visionen ihres Vaters Rudi Peter. Insbesondere das wegweisende Architektur- und Ökologieprojekt „Hundertwasser-Solarpark“ in Dillingen habe ihren eigenen Weg stark beeinflusst. Dr. Peter betonte die Notwendigkeit, die Energiewende heute ganzheitlich und systemisch voranzutreiben: „Wir müssen die Potenziale von flexiblem Ökostrom, fortschreitender Digitalisierung und dezentralen Energiegemeinschaften jetzt konsequent und ohne Zögern ausschöpfen, um die Klimaziele zu erreichen.“

Dr. Simone Peter hat den Verein als Sprecherin maßgeblich geprägt. Foto: Thomas Nägler

Drei Wünsche für die Zukunft der saarländischen Energiewende

Zum Schluss formulierte Winfried Anslinger drei zentrale Wünsche an die saarländische Landesregierung:

1. Die Einrichtung einer handlungsfähigen, saarländischen Energie- und Klimaschutzagentur ist dringend notwendig. Unter anderem stehen die Kommunen vor der gigantischen Aufgabe, die kommunale Wärmeplanung in die Praxis umzusetzen. Die meisten Verwaltungen sind mit dieser komplexen Aufgabe personell und fachlich komplett überfordert.

2. Bitte nehmen Sie Abstand von der Förderung des geplanten Gaskraftwerks in Ensdorf. Die Bereitstellung von Flächen für dieses fossile Großprojekt ist eine Fehlentscheidung, die sich schädlich auf die Energiewende auswirken wird. Das Vorhaben führt in eine technologische Sackgasse: Es verteuert und verzögert den echten Wandel und gefährdet das Ziel der Klimaneutralität bis 2045. Die Annahme, das Kraftwerk zeitnah mit grünem Wasserstoff zu betreiben, ist unrealistisch, da dieser bis dahin schlicht nicht in den erforderlichen Mengen bezahlbar zur Verfügung stehen wird. Es gibt Alternativen, die volkswirtschaftlich mehr Sinn machen und mehr krisenfeste Arbeitsplätze schaffen.

3. Mittelstandsförderung: Zugleich gibt es durchaus Bedarf für kleinere Mengen Wasserstoff auf örtlicher Ebene. Dafür benötigt man kein bundesweites Kernnetz. Für den kleineren Bedarf braucht es kleine Elektrolyseure, die von saarländischen Firmen hergestellt werden können. Doch auch da sind die Kosten noch zu hoch. Bevor chinesische Hersteller mit Massenprodukten den Markt aufrollen, wäre es dringend nötig, durch ein Förderprogramm rechtzeitig die Nachfrage anzukurbeln.

Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte machte die Jubiläumsfeier deutlich: Die Energiewende Saarland e.V. bleibt auch nach 40 Jahren kritische Begleiterin und Antreiberin sowie auch verlässliche Partnerin für den ökologischen Wandel an der Saar.